Während bei den Victoriafällen Reisebusse und Souvenirstände zum festen Programm gehören, stehe ich an den Ngonye-Fällen völlig allein am Ufer. Gleicher Fluss, ganz anderes Erlebnis.
Der kleine Bruder der Victoriafälle
Die Ngonye-Fälle, manchmal auch Sioma-Fälle genannt, liegen ebenfalls am Sambesi, allerdings gut 200 Kilometer flussaufwärts von den Victoriafällen, im Westen Sambias nahe der kleinen Ortschaft Sioma. Statt eines einzigen breiten Wasservorhangs verteilt sich der Fluss hier auf mehrere Kanäle und Kaskaden, die sich um kleine bewaldete Inseln herum ihren Weg bahnen. Die umliegende Vegetation ist deutlich dichter und urwaldähnlicher als bei den offeneren Victoriafällen, daher fühlt es sich hier streckenweise an, als würde man durch echten afrikanischen Dschungel wandern statt durch klassische Savanne.
Warum kaum jemand hierher kommt
Die Ngonye-Fälle liegen abseits der Hauptrouten der meisten Südafrika- und Botswana-Reisenden, entsprechend gering ist die Infrastruktur, entsprechend groß aber auch die Ruhe vor Ort. Für mich war genau das der Reiz: kein Gedränge an den Aussichtspunkten, keine Souvenirverkäufer, nur das Rauschen des Wassers und gelegentlich Vogelrufe aus dem dichten Uferwald.
Wie man die Fälle erlebt
Von einem kleinen Camp in der Nähe aus lassen sich die Fälle sowohl von festen Aussichtspunkten am Ufer als auch per Boot erkunden. Eine kurze Bootsfahrt bringt einen nah an die einzelnen Kaskaden heran und zeigt die Aufteilung des Flusses in mehrere Arme deutlich besser, als es vom Ufer aus möglich ist. Wer ein eigenes Allradfahrzeug hat, erreicht die Aussichtspunkte auch selbstständig, die Zufahrtspisten sind in der Trockenzeit gut befahrbar.
Praktische Tipps
- Lage: Nahe Sioma im Westen Sambias, auf der Route zwischen Sambias Westprovinz und dem Caprivi-Streifen in Namibia.
- Beste Zeit: Nach der Regenzeit, etwa April bis Juli, wenn genug Wasser für ein beeindruckendes Schauspiel da ist, ohne dass Pisten unpassierbar werden.
- Übernachtung: Einfache Camps in Flussnähe, Vorausbuchung empfehlenswert, da die Kapazitäten begrenzt sind.
- Kombination: Guter Zwischenstopp für Selbstfahrer, die von den Victoriafällen kommend weiter Richtung Caprivi-Streifen oder Sambias Westprovinz unterwegs sind.
Wer die Victoriafälle bereits gesehen hat und nach einem ruhigeren, ursprünglicheren Gegenstück sucht, sollte sich die Ngonye-Fälle für die eigene Route vormerken. Es ist einer der Orte, an denen ich am liebsten einfach nur gesessen und zugeschaut habe.