Ngonye-Fälle: Wasserfälle im Urwald Sambias

Aktualisiert
Anfahrt, Straßenzustand und Zugang über den Community Park geprüft.

Die Ngonye-Fälle, auch Sioma-Fälle genannt, liegen am Sambesi in der Westprovinz Sambias nahe der Ortschaft Sioma, mehrere hundert Kilometer flussaufwärts der Victoriafälle. Sie sind hufeisenförmig, fallen gestaffelt rund 20 Meter tief und führen dabei eine Wassermenge, die der ihrer berühmten Nachbarn kaum nachsteht. Was ihnen an Höhe fehlt, machen sie an Breite und Wucht wett. Der entscheidende Unterschied ist ein anderer: Hier ist praktisch niemand.

Mehrere Wasserfall-Kaskaden der Ngonye-Fälle fließen durch dichten Uferwald am Sambesi

Was die Ngonye-Fälle von den Victoriafällen unterscheidet

Statt eines einzigen durchgehenden Wasservorhangs verteilt sich der Sambesi hier auf mehrere Kanäle und Kaskaden, die sich um bewaldete Inseln herumwinden. Insgesamt gliedern sich die Fälle in acht Abschnitte, von denen einige nur von der Insel aus zu sehen sind. Eine geologische Eigenheit macht die Sache noch merkwürdiger: Der Fluss strömt beiderseits der Fälle teilweise unter dem Fels hindurch.

Kriterium Ngonye-Fälle Victoriafälle
Fallhöhe rund 20 Meter, gestaffelt bis 108 Meter
Form Hufeisen, acht Abschnitte durchgehender Vorhang
Besucher sehr wenige Reisebusse, Souvenirstände
Infrastruktur Community Park, einfache Camps vollständig ausgebaut
Anfahrt ab Livingstone rund 320 km, ein halber Tag direkt vor der Tür
HenrietteK007 beschrieb die Fälle in einer Tripadvisor-Bewertung vom Januar 2017 treffend im Vergleich: „Not nearly as high as Victoria Falls, but the volume of water is enormous.“ Also längst nicht so hoch, aber gewaltig in der Wassermenge. Zum Besucheraufkommen schreibt sie: „Very few people know about the Ngonye Falls and it gets very few visitors, making it even more of a jewel.“ Der Zugang führt über „a guided walk of about 1200m from the parking spot on the eastern side“.

Wie kommt man hin?

Der Weg ist der eigentliche Grund, warum hier so wenige Menschen ankommen. Von Livingstone sind es rund 320 Kilometer flussaufwärts, wofür man einen halben Tag rechnen muss. Wer aus Namibia kommt, überquert die Grenze bei Wenela und Sesheke und fährt von dort nordwärts.

Gill Staden schreibt auf Stories Beyond the Victoria Falls zur Fahrzeit: „Livingstone-Sioma Falls is about 320 km, but it is a 5½ hour journey.“ Zum Straßenzustand notiert sie: „the stretch from Sesheke to Sioma is still a bad dirt road“, und zieht daraus einen bitteren Schluss: „It is such a shame for tourism that the road there is so bad because it could become quite a tourist attraction.“ Über die Fälle selbst fällt ihr Urteil kurz aus: „They really are beautiful.“
Meine persönliche Einschätzung: Beim Straßenzustand widersprechen sich die Quellen, und das ist hier die planungsrelevanteste Frage überhaupt. Gill Staden beschreibt den Abschnitt Sesheke bis Sioma als schlechte Schotterpiste, neuere Beschreibungen sprechen von einer brauchbaren Teerstraße, an der die Fälle nur rund einen Kilometer abseits liegen. Beides kann stimmen, denn diese Strecke wurde in den letzten Jahren ausgebaut. Verlassen würde ich mich auf keine der beiden Angaben, sondern die Lage kurz vor der Fahrt in aktuellen Selbstfahrer-Foren gegenprüfen, denn zwischen Teerstraße und Sandpiste liegen hier mehrere Stunden Unterschied. Und unabhängig davon: Die Ngonye-Fälle sind kein Ersatz für die Victoriafälle, sondern deren Gegenteil. Wer sie als Abkürzung nimmt, um sich den Trubel zu sparen, wird enttäuscht sein. Wer sie zusätzlich einplant, nachdem er die Victoriafälle gesehen hat, bekommt denselben Fluss ohne jedes Publikum.

Was vor Ort möglich ist

  • Geführter Rundgang: vom Parkplatz auf der Ostseite führt ein etwa 1.200 Meter langer Weg zu den Aussichtspunkten, ein Guide ist üblich und im Eintritt enthalten
  • Bootsfahrt zur Insel: mehrere der acht Abschnitte sind nur vom Wasser oder von der Insel aus zu sehen, die Fahrt lohnt sich deshalb
  • Community Park: das Gebiet wird als Ngonye Falls Community Partnership Park verwaltet, die Gebühren fließen in die umliegenden Gemeinden
  • Übernachtung: einfache Camps in Flussnähe, die Kapazitäten sind gering, Vorausbuchung ist sinnvoll
  • Selbst fahren: die letzten Kilometer ab der Hauptstraße sind kurz, ein Allradfahrzeug bleibt in der Regenzeit trotzdem ratsam

Wem der Ort gehört

Die Ngonye-Fälle werden nicht von einer nationalen Parkbehörde verwaltet, sondern als Ngonye Falls Community Partnership Park von den umliegenden Gemeinden mitgetragen. Die Eintrittsgelder bleiben damit weitgehend vor Ort, statt in einen zentralen Haushalt zu fließen. Auch die offizielle Tourismusseite des Landes führt die Fälle unter den Wasserfällen Sambias, allerdings mit deutlich weniger Aufmerksamkeit als die Victoriafälle.

Für Besucher ist das ein Argument, das über Romantik hinausgeht. Ein Gebiet, das seinen Gemeinden konkret etwas einbringt, hat einen handfesten Grund, geschützt zu bleiben. Der Guide, den man beim Rundgang bekommt, ist damit kein Aufpasser, sondern Teil des Modells, weshalb ein Trinkgeld hier sinnvoller angelegt ist als an den meisten anderen Orten der Route.

Wann sollte man kommen?

Von Mai bis Anfang Juni, kurz nach der Regenzeit. Dann führt der Sambesi noch viel Wasser, was den Fällen ihre Wucht gibt, während die Zufahrtspisten bereits abgetrocknet sind. Später im Jahr sinkt der Wasserstand deutlich, und die Fälle verlieren einen Teil ihrer Wirkung. In der Regenzeit von November bis März ist zwar am meisten Wasser unterwegs, die Anfahrt wird dann aber zum eigentlichen Problem.

Wie plane ich die Fälle in die Route ein?

Die Ngonye-Fälle liegen auf der Verbindung zwischen dem Caprivi-Streifen in Namibia und der Westprovinz Sambias. Für Selbstfahrer, die von den Victoriafällen kommen, bedeutet das einen bewussten Abstecher von einem halben Tag pro Richtung, keinen Zwischenstopp nebenbei. Ausgangspunkt ist meist Livingstone. Wer aus Botswana anreist, quert vorher die Grenze bei Kazungula, der Ablauf steht in unserem Beitrag zum Grenzübergang nach Sambia. Was für diese Art von Strecke ins Fahrzeug gehört, steht in unserer Packliste Selbstfahrer-Safari.

Häufig gestellte Fragen

Wo liegen die Ngonye-Fälle?

Am Sambesi in der Westprovinz Sambias nahe der Ortschaft Sioma, mehrere hundert Kilometer flussaufwärts der Victoriafälle. Ab Livingstone sind es rund 320 Kilometer.

Wie hoch sind die Ngonye-Fälle?

Rund 20 Meter, gestaffelt und hufeisenförmig. Sie sind damit deutlich niedriger als die Victoriafälle, führen aber eine sehr große Wassermenge.

Wann ist die beste Reisezeit?

Mai bis Anfang Juni, kurz nach der Regenzeit. Dann ist der Wasserstand hoch und die Zufahrt bereits abgetrocknet.

Braucht man ein Allradfahrzeug?

In der Trockenzeit nicht zwingend, da die Fälle nur wenige Kilometer abseits der Hauptstraße liegen. Der Zustand der Zufahrt hat sich in den letzten Jahren verändert, weshalb aktuelle Auskünfte vor der Fahrt sinnvoll sind. In der Regenzeit ist Allrad ratsam.

Kann man die Fälle ohne Guide besuchen?

Der Zugang läuft über den Ngonye Falls Community Partnership Park, ein Guide ist beim etwa 1.200 Meter langen Rundgang üblich und in der Gebühr enthalten. Mehrere Abschnitte der Fälle sind ohnehin nur per Boot oder von der Insel aus einsehbar.