Aktualisiert
Wege, Parkgebühren und Silfra-Angaben für die Saison 2026 geprüft.
Þingvellir ist der älteste Nationalpark Islands und seit 2004 UNESCO-Welterbe. Der Grund dafür ist ungewöhnlich: Ausgezeichnet wurde nicht die Landschaft, sondern die Geschichte. Hier wurde um das Jahr 930 das Alþingi gegründet, eine der ältesten Volksversammlungen der Welt, die bis 1798 an dieser Stelle zusammentrat. Dass der Park gleichzeitig auf der Nahtstelle zweier Kontinentalplatten liegt, ist gewissermaßen die Zugabe.

Was hier wirklich zwischen den Kontinenten liegt
Die Nordamerikanische und die Eurasische Platte driften hier mit rund zwei Zentimetern pro Jahr auseinander. Das Ergebnis ist ein Grabenbruch: Der Boden zwischen den Platten sackt ab, an den Rändern reißen Spalten auf. Die größte davon ist die Almannagjá, eine bis zu 40 Meter hohe Felswand, die den östlichen Rand der Nordamerikanischen Platte markiert.
Und hier lohnt eine Klarstellung, weil vor Ort und in vielen Beschreibungen etwas anderes suggeriert wird. Wer in der Almannagjá steht, steht nicht mit einem Fuß in Amerika und mit dem anderen in Europa. Die Schlucht ist die westliche Bruchkante des Grabens. Die östliche liegt einige Kilometer entfernt, und dazwischen erstreckt sich eine breite Übergangszone, die zu keiner der beiden Platten sauber gehört. Das schmälert den Ort nicht, im Gegenteil: Man läuft nicht durch einen Riss, sondern durch die abgesackte Mitte eines Grabens, der langsam auseinandergezogen wird.
Die Wege im Park
Der Hauptweg verläuft zwischen den Parkplätzen P1 am Besucherzentrum und P2 und ist etwa einen Kilometer lang, geschottert und gut begehbar. Von P1 geht es zunächst bergab in die Almannagjá hinein, dann flach weiter. Wer sein Auto oben stehen lässt, hat auf dem Rückweg den Anstieg.
- Almannagjá: der Abschnitt gleich hinter P1, wo der Pfad zwischen zwei Felswänden verläuft. Die schmalste zugängliche Stelle des ganzen Grabens
- Lögberg, der Gesetzesfelsen: die Stelle, an der beim Alþingi die Gesetze laut vorgetragen wurden, ausgeschildert und mit Fahnenmast markiert
- Öxarárfoss: der Wasserfall des Flusses Öxará, rund zehn Gehminuten vom nächstgelegenen Parkplatz, vom Besucherzentrum durch die Schlucht etwa 20 Minuten
- Þingvallakirkja: die kleine Kirche unten in der Ebene, guter Blickpunkt über den Fluss
- Þingvallavatn: der größte natürliche See Islands, der die Ebene nach Süden begrenzt
Wie voll wird es?
Voll, und zwar konzentriert auf den ersten Abschnitt hinter dem Besucherzentrum.
Silfra: schnorcheln in der Spalte
Wenige Fahrminuten vom Hauptweg entfernt liegt die Silfra-Spalte, eine wassergefüllte Kluft, in der man schnorcheln und tauchen kann. Das Wasser stammt vom Gletscher Langjökull, sickert jahrzehntelang durch poröses Lavagestein und kommt dabei so gefiltert an, dass die Sicht außergewöhnlich weit reicht. Die Temperatur liegt konstant bei etwa zwei bis vier Grad, weshalb im Trockenanzug geschnorchelt wird. Eine Tour dauert rund 30 bis 40 Minuten im Wasser, ein Tauchschein ist fürs Schnorcheln nicht nötig.

Praktische Hinweise
- Eintritt: der Park selbst ist frei zugänglich, bezahlt wird das Parken. Am Silfra-Parkplatz sind es rund 500 ISK, an den Hauptparkplätzen fällt ebenfalls eine Gebühr an
- Bezahlen: an den Automaten vor Ort mit Karte, das Kennzeichen wird eingegeben. Wer ohne Ticket parkt, bekommt die Rechnung später über den Mietwagenanbieter
- Zeitbedarf: mindestens zwei Stunden für Almannagjá, Lögberg und Öxarárfoss
- Schuhe: geschotterte, teils feuchte Wege, festes Schuhwerk ist sinnvoll
- Wind: die Ebene liegt offen, hier zieht es fast immer. Eine winddichte Jacke gehört auch im Sommer dazu
- Winter: ganzjährig geöffnet, einzelne Wege können bei Eis gesperrt sein
Der Golden Circle als Tagesroute
Þingvellir liegt rund 40 Kilometer von Reykjavík entfernt und bildet zusammen mit dem Geothermalgebiet Haukadalur und dem großen Wasserfall im Osten die klassische Dreierrunde. Weiter führt die Strecke zum Geysir Strokkur, der alle sechs bis zehn Minuten ausbricht, und von dort in wenigen Minuten zum Gullfoss, der in zwei Stufen 32 Meter tief stürzt.
Wer selbst fährt, sollte die übliche Reihenfolge umdrehen und mit Gullfoss beginnen. Die Bustouren starten fast alle in Þingvellir, wer gegenläufig unterwegs ist, trifft sie nur einmal statt den ganzen Tag.
Häufig gestellte Fragen
Warum ist Þingvellir UNESCO-Welterbe?
Wegen seiner Geschichte, nicht wegen der Geologie. Hier wurde um 930 das Alþingi gegründet, das bis 1798 an dieser Stelle tagte. Die Aufnahme in die Welterbeliste erfolgte 2004.
Steht man in Þingvellir zwischen zwei Kontinenten?
Nicht im wörtlichen Sinn. Die Almannagjá ist die westliche Bruchkante des Grabens und markiert den Rand der Nordamerikanischen Platte. Die eurasische Seite liegt einige Kilometer weiter östlich, dazwischen liegt eine breite Übergangszone.
Was kostet der Besuch?
Der Park ist frei zugänglich, bezahlt wird nur das Parken. Am Silfra-Parkplatz sind rund 500 ISK fällig, an den Hauptparkplätzen ebenfalls eine Gebühr, zahlbar am Automaten mit Kennzeichen.
Wie kalt ist das Wasser in der Silfra-Spalte?
Konstant etwa zwei bis vier Grad, das ganze Jahr über. Geschnorchelt wird deshalb im Trockenanzug, eine Tour dauert rund 30 bis 40 Minuten im Wasser.
Wie viel Zeit sollte man einplanen?
Mindestens zwei Stunden für den Hauptweg durch die Almannagjá, den Gesetzesfelsen und den Öxarárfoss. Die üblichen 20 Minuten der Bustouren reichen nur für den ersten Abschnitt.