Schnorcheln mit Walhaien vor Tofo, Mosambik

Aktualisiert
Saisonangaben korrigiert und Hinweise zum Bootsstart ergänzt.

Tofo Beach in der mosambikanischen Provinz Inhambane gehört zu den wenigen Orten weltweit, an denen Walhaie ganzjährig anzutreffen sind. Das unterscheidet Tofo von fast allen anderen Walhai-Zielen, an denen die Tiere nur wenige Wochen im Jahr vorbeiziehen. Der Grund liegt vor der Küste: Kaltes, planktonreiches Auftriebswasser trifft hier auf eine warme Meeresströmung, und junge Walhaie nutzen dieses Nahrungsangebot als Aufwuchsgebiet.

Schnorchler schwimmt neben einem Walhai im türkisfarbenen Wasser vor Tofo in Mosambik

Wann sieht man was?

Die verbreitete Angabe, die Walhai-Saison in Tofo liege zwischen Oktober und März, ist unvollständig. Richtig ist: In diesen Monaten ist das Wasser am wärmsten und am klarsten, die Sichtbedingungen sind also am besten. Die Tiere selbst sind aber das ganze Jahr über da.

Zeitraum Was möglich ist
ganzjährig Walhaie, Mantarochen, Delfine
Oktober bis März wärmstes und klarstes Wasser, beste Sicht
Juni bis Oktober zusätzlich Buckelwale auf ihrer Wanderung

Wer beides sehen will, Walhaie und Buckelwale, liegt mit Oktober im Überschneidungsbereich richtig. Kühleres Wasser und schlechtere Sicht nimmt man dafür in Kauf.

Wie groß werden die Tiere wirklich?

Walhaie sind die größten Fische der Erde und erreichen ausgewachsen rund 18 Meter. Vor Tofo bekommt man diese Größe allerdings selten zu sehen, denn das Gebiet ist ein Aufwuchsgebiet für Jungtiere, überwiegend junge Männchen. Realistisch sind Tiere zwischen fünf und neun Metern, was im Wasser mehr als genug ist. Gefährlich sind sie nicht: Walhaie sind Filtrierer, die Plankton und kleine Fische aufnehmen und an Menschen kein Interesse haben. Die Art gilt als stark gefährdet, was die Regeln vor Ort erklärt.

So läuft eine Tour ab

Die Boote starten früh am Morgen, und zwar direkt vom Strand durch die Brandung, es gibt in Tofo keinen Hafen. An Bord sitzt ein Spotter, der von erhöhter Position nach Schatten im Wasser sucht. Wird ein Tier entdeckt, geht die Gruppe zügig, aber ruhig ins Wasser, meist zu viert bis sechst, damit das Tier nicht bedrängt wird.

Peter Pohle beschreibt auf peterstravel.de, wie unvermittelt es dann geht: „Plötzlich tauchen, wie aus dem Nichts mehrere Delphine neben uns auf. Unser Supervisor gibt das vereinbarte Kommando und alle hüpfen rechts und links über Bord.“ Seine Walhai-Begegnung kam kurz darauf: „Ich habe Glück, denn da schwimmt doch tatsächlich so ein kleines Ungetüm bzw. ein Walhai in ca 7 Metern Entfernung gemächlich an mir vorbei.“

Der Punkt, den kaum jemand erwähnt

Der Start durch die Brandung ist kein Detail, sondern für viele die härteste Viertelstunde des Tages.

Anja Knorr verbrachte vier Monate in Tofo und schreibt auf happybackpacker.de unverblümt: „Selten in meinem Leben habe ich so viele seekranke Menschen auf einem Haufen gesehen.“ Über die Häufigkeit der Sichtungen lässt ihr langer Aufenthalt wenig Zweifel: „Walhaie und Delfine habe ich in vier Monaten fast täglich beobachten können.“ Und zum Moment selbst: „Nichts kann dich darauf vorbereiten, einem riesigen Walhai in die Augen zu blicken.“
Meine persönliche Einschätzung: Aus diesen beiden Berichten ergibt sich eine klare Planungsempfehlung, die in den meisten Beschreibungen fehlt. Erstens: Nehmt die Seekrankheit ernst. Ein Mittel muss rund eine Stunde vor dem Ablegen genommen werden, an Bord ist es zu spät, und wer die Fahrt hinaus im Eimer verbringt, hat für die Begegnung selbst keine Kraft mehr. Zweitens: Plant mehrere Tage ein, nicht einen. Anja Knorrs fast tägliche Sichtungen stammen aus vier Monaten vor Ort, ein einzelner Tourtag kann trotzdem leer ausgehen, weil Wetter und Wellengang die Ausfahrt kippen können. Wer nur einen Tag Puffer hat, sollte Tofo nicht wegen der Walhaie ansteuern. Drittens würde ich den Anbieter nach der Gruppengröße fragen, bevor ich buche. Vier bis sechs Leute im Wasser sind für das Tier und für das eigene Erlebnis ein anderer Vorgang als zwölf.

Warum in Tofo geforscht wird

Dass über die Walhaie vor Tofo vergleichsweise viel bekannt ist, hat einen konkreten Grund: Hier sitzt die Marine Megafauna Foundation, eine Forschungsorganisation, die sich auf Walhaie, Mantarochen und andere Großtiere des Meeres spezialisiert hat und in Tofo ihren Ursprung nahm. Ein Teil der Arbeit besteht darin, einzelne Tiere anhand ihres Fleckenmusters zu identifizieren, das bei jedem Walhai so eindeutig ist wie ein Fingerabdruck.

Für Besucher ist das mehr als eine Randnotiz. Wer Fotos der Flanke hinter den Kiemen macht, kann sie an Bürgerforschungs-Projekte übermitteln, wo sie zur Identifikation beitragen. Aus einem Schnorchelausflug wird so ein kleiner Datenpunkt, und die Regeln vor Ort ergeben dann auch mehr Sinn: Sie sind keine Schikane des Anbieters, sondern Voraussetzung dafür, dass die Tiere das Gebiet weiter nutzen.

Die Regeln im Wasser

  • Mindestabstand halten, das Tier nie anfassen
  • Nicht frontal anschwimmen, sondern seitlich mitschwimmen lassen
  • Kein Blitzlicht, keine hektischen Bewegungen
  • Nicht über dem Tier schwimmen und ihm den Weg nach oben versperren
  • Auf das Kommando der Crew warten, statt spontan ins Wasser zu springen

Anreise und Route

Der schnellste Weg führt per Flug nach Inhambane oder Vilankulo und von dort auf der Straße weiter nach Tofo. Wer mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs ist, fährt die deutlich längere Strecke über Maputo. Die letzten Kilometer von Inhambane nach Tofo sind asphaltiert, im Ort selbst dominiert dann Sand, ein Fahrzeug mit etwas Bodenfreiheit ist dort deutlich im Vorteil. Für Selbstfahrer im südlichen Afrika ist Tofo kein Zwischenstopp, sondern ein eigener Reiseabschnitt: Von den Zielen entlang der klassischen Route wie den Victoriafällen oder dem Chobe-Nationalpark liegen mehrere Tagesetappen dazwischen. Was an Ausrüstung ins Fahrzeug gehört, steht in unserer Packliste Selbstfahrer-Safari.

Häufig gestellte Fragen

Wann kann man in Tofo mit Walhaien schnorcheln?

Das ganze Jahr über. Tofo ist eines der wenigen Gebiete weltweit mit ganzjähriger Walhai-Präsenz. Zwischen Oktober und März ist das Wasser am wärmsten und klarsten, von Juni bis Oktober kommen zusätzlich Buckelwale vorbei.

Wie groß sind die Walhaie vor Tofo?

Meist zwischen fünf und neun Metern, da das Gebiet ein Aufwuchsgebiet für Jungtiere ist. Ausgewachsen erreicht die Art rund 18 Meter und ist damit der größte Fisch der Erde.

Sind Walhaie für Menschen gefährlich?

Nein. Walhaie sind Filtrierer und ernähren sich von Plankton und kleinen Fischen. Sie zeigen kein Interesse an Menschen. Die Art gilt als stark gefährdet, deshalb gelten feste Abstandsregeln.

Wird eine Sichtung garantiert?

Nein. Sichtungen sind häufig, aber Wetter und Wellengang können eine Ausfahrt verhindern. Wer die Begegnung als Reiseziel hat, sollte mehrere Tage einplanen statt nur einen.

Wie starten die Boote in Tofo?

Direkt vom Strand durch die Brandung, einen Hafen gibt es nicht. Diese Passage löst bei vielen Gästen Seekrankheit aus. Ein Mittel dagegen sollte etwa eine Stunde vor dem Ablegen eingenommen werden.