Aktualisiert
Maße, Wasserführung und Zugang für die Saison 2026 geprüft.
Der Gullfoss ist der bekannteste Wasserfall Islands und die östlichste Station der Golden-Circle-Route. Der Fluss Hvítá stürzt hier in zwei versetzten Stufen von 11 und 21 Metern insgesamt 32 Meter tief, auf einer Breite von 229 Metern, und verschwindet danach in einer 2,5 Kilometer langen und bis zu 70 Meter tiefen Schlucht. Im Schnitt fließen dabei rund 109 Kubikmeter Wasser pro Sekunde über die Kante, im Sommer etwa 130. Der höchste je gemessene Abfluss lag bei 2.000.

Woher der Name kommt
Gullfoss heißt übersetzt schlicht „goldener Wasserfall”. Für den Namen gibt es zwei Erklärungen, und beide werden vor Ort erzählt. Die nüchterne verweist auf das Licht: Wenn die Sonne tief steht und durch den Sprühnebel fällt, nimmt die Gischt einen goldenen Ton an, und über der zweiten Stufe steht an klaren Nachmittagen fast zuverlässig ein Regenbogen. Die andere ist eine Sage, nach der ein Bauer namens Gýgur sein Gold in den Fall geworfen haben soll, damit es nach seinem Tod niemandem sonst zufällt.
Für die Planung ist nur die erste Version relevant, denn sie sagt etwas über die beste Tageszeit aus: Bei tief stehender Sonne im Rücken wird aus einem grauen Wasserfall ein sehr anderer Anblick.
Warum der Gullfoss heute noch existiert
Um 1920 hatte eine englische Gesellschaft den Wasserfall gepachtet, um ihn für ein Wasserkraftwerk zu stauen. Dagegen wehrte sich Sigríður Tómasdóttir vom benachbarten Hof Brattholt über Jahre hinweg, juristisch unterstützt von dem Anwalt Sveinn Björnsson, der später der erste Präsident Islands wurde. Heute steht am Wasserfall ein Denkmal für sie, und der Gullfoss ist seit 1979 als Naturdenkmal geschützt.
An dieser Stelle lohnt eine Einordnung, weil vor Ort und in vielen Reiseführern eine dramatischere Fassung erzählt wird: Sigríður habe gedroht, sich in die Fluten zu stürzen, woraufhin die Briten aufgegeben hätten. Belegt ist das nicht. Nach der nüchternen Aktenlage endete das Pachtverhältnis, weil die Zahlungen ausblieben und der Vertrag deshalb hinfällig wurde. Ihr jahrelanger Widerstand hat die Sache trotzdem entscheidend geprägt, nur eben mit Papier statt mit einer Geste am Abgrund.
Die zwei Ebenen, und warum die meisten zu früh umkehren
Der Gullfoss hat zwei getrennte Zugänge. Vom oberen Parkplatz führt ein Panoramaweg, der nach Sigríður Tómasdóttir benannt ist, entlang der Kante. Vom unteren Parkplatz geht ein Pfad deutlich näher an den Fall heran, bis auf ein Felsplateau kurz vor der zweiten Stufe. Dort steht man im Sprühnebel und begreift die Wassermenge körperlich.

Praktische Hinweise
- Eintritt: kostenlos, das Gelände ist frei zugänglich
- Parken: zwei Parkplätze, oben beim Besucherzentrum und unten näher am Wasserfall. Der obere ist größer, der untere spart den Abstieg
- Regenjacke: auf dem unteren Weg zwingend, der Sprühnebel durchnässt Kleidung und Objektive innerhalb von Minuten
- Winter: der untere Weg wird bei Eis gesperrt, dann bleibt nur die obere Plattform. Dafür ist der teilweise vereiste Fall ein eigenes Motiv
- Schuhe: die Stufen und das Felsplateau sind durch die Gischt dauerhaft nass und rutschig
- Zeitbedarf: 45 bis 60 Minuten, wenn man beide Ebenen ablaufen will
Welche Jahreszeit lohnt sich?
Die Wassermenge schwankt deutlich. Im Sommer speist die Gletscherschmelze den Hvítá und der Fall führt mit rund 130 Kubikmetern pro Sekunde am meisten Wasser, dazu sind beide Wege offen und es bleibt bis spät hell. Das ist die verlässlichste Zeit, aber auch die vollste.
Im Winter sinkt die Wasserführung, dafür überziehen Eis und Raureif die Felsen ringsum, und der Fall bekommt eine völlig andere Wirkung. Der Preis dafür ist die Zugänglichkeit: Der untere Weg wird bei Eis gesperrt, und die kurzen Tage lassen nur ein enges Zeitfenster. Wer im Winter kommt, sollte den Besuch um die Mittagsstunden legen und nicht auf den unteren Weg spekulieren.
Der Golden Circle als Tagesroute
Gullfoss bildet zusammen mit dem Geothermalgebiet Haukadalur und dem Nationalpark Þingvellir die klassische Dreierrunde ab Reykjavík. Vom Geysir Strokkur, der alle sechs bis zehn Minuten ausbricht, sind es nur etwa zehn Autominuten hierher. Die gesamte Runde ist an einem Tag machbar, wird aber häufig zu knapp geplant.
Sinnvoll ist, gegen den üblichen Uhrzeigersinn zu fahren, also mit Gullfoss zu beginnen und über Geysir nach Þingvellir zu fahren. Dann liegt man den ganzen Tag vor den Reisebussen, die traditionell in der anderen Richtung unterwegs sind.
Häufig gestellte Fragen
Wie hoch ist der Gullfoss?
Insgesamt 32 Meter, verteilt auf zwei versetzte Stufen von 11 und 21 Metern. Der Wasserfall ist 229 Meter breit, die anschließende Schlucht 2,5 Kilometer lang und bis zu 70 Meter tief.
Wie viel Wasser führt der Gullfoss?
Im Jahresmittel rund 109 Kubikmeter pro Sekunde, im Sommer etwa 130. Der höchste je gemessene Abfluss lag bei 2.000 Kubikmetern pro Sekunde.
Kostet der Gullfoss Eintritt?
Nein, der Zugang ist kostenlos und ganzjährig möglich. Es gibt zwei Parkplätze, einen oberen beim Besucherzentrum und einen unteren näher am Wasserfall.
Wer war Sigríður Tómasdóttir?
Eine Frau vom Hof Brattholt, die sich um 1920 jahrelang gegen den Bau eines Wasserkraftwerks am Gullfoss wehrte, unterstützt vom Anwalt Sveinn Björnsson, dem späteren ersten Präsidenten Islands. Seit 1979 steht der Wasserfall unter Naturschutz.
Wie weit ist es vom Geysir Strokkur zum Gullfoss?
Etwa zehn Autominuten. Beide liegen auf der Golden-Circle-Route und werden fast immer zusammen besucht.