Geparden ganz nah: Tracking bei AfriCat in Namibia

Aktualisiert
Entfernung, Reservatsgröße und Einordnung des Tracking-Konzepts korrigiert.

Das Okonjima Nature Reserve in Zentralnamibia ist ein rund 200 Quadratkilometer großes, eingezäuntes Schutzgebiet, in dem die AfriCat Foundation seit den 1990er-Jahren Großkatzen betreut und erforscht. Besucher können hier Geparden und Leoparden per Peilsender aufspüren, bei den Geparden sogar zu Fuß. Es liegt rund 270 Kilometer nördlich von Windhoek bei Otjiwarongo, etwa zweieinhalb bis drei Autostunden, und damit genau auf der Strecke Richtung Etosha.

Gepard ruht im Schatten eines Akazienbaums im Okonjima Nature Reserve in Namibia

Warum Namibia für Geparden so wichtig ist

In Namibia lebt etwa ein Viertel aller Geparden weltweit. Entscheidend ist aber eine zweite Zahl: Rund 90 Prozent dieser Tiere leben nicht in Nationalparks, sondern auf Farmland. Damit ist der Gepardenschutz in Namibia in erster Linie kein Naturschutzproblem, sondern ein Konfliktthema zwischen Wildtier und Landwirtschaft. Genau dort setzt AfriCat an: Die Stiftung arbeitet mit Farmern, nimmt Tiere auf, die sonst geschossen worden wären, und erforscht das Verhalten der Katzen im Reservat.

Daraus folgt auch, warum nicht jedes Tier im Reservat wieder freikommt. Eine Katze, die als Waise von Hand aufgezogen wurde, hat nie gelernt zu jagen und verbindet Menschen mit Futter statt mit Gefahr. Ausgewildert würde sie verhungern oder auf der nächsten Farm auftauchen und erschossen werden. Für diese Tiere ist das Reservat kein Zwischenstopp, sondern der endgültige Aufenthaltsort. Wer das weiß, versteht besser, was man hier eigentlich sieht: keine unberührte Wildnis, sondern das Ergebnis von Konflikten, die anderswo entstanden sind.

Wie das Tracking abläuft

Die Katzen im Reservat tragen Sender. Ein Guide stellt den Empfänger auf ein bestimmtes Tier ein, und je näher man kommt, desto schneller piept das Gerät. Bei Leoparden bleibt man im Fahrzeug. Bei Geparden darf man aussteigen und die letzten Meter zu Fuß gehen, was den eigentlichen Reiz des Ortes ausmacht.

Melina Keil beschreibt auf Berg zu Meer die Größenordnung und wie schnell es gehen kann: „Auf dem 200 Quadratkilometer großen Areal leben zurzeit 24 Leoparden.“ Ihre Suche war kurz: „Es dauerte tatsächlich keine Stunde bis wir dem Signal immer näher kamen und die hübsche Katze im Busch entdeckten.“ Sie benennt auch, was viele Beschreibungen weglassen: „Wir besuchten eine Gruppe Geparden und zwei Löwenmännchen, die allesamt mit der Flasche aufgezogen wurden.“

Der Einwand, den man kennen sollte

Okonjima wird oft als Safari-Erlebnis beschrieben. Das trifft die Sache nicht ganz, und es gibt Besucher, die sich davon getäuscht fühlen.

Dirk und Dodo von wiewirreisen.de schildern das Tracking anschaulich: „Umso näher wir dem Leoparden kommen, umso deutlicher wird das Piepen des Empfängers.“ Ihr Fazit fällt trotzdem zurückhaltend aus: „Man kann diese Art von Game Drives auf Okonjima mit Peilsendern mögen oder nicht. Aber das Abenteuerfeeling wie im Etosha Nationalpark fehlt total.“ Und deutlicher: „Wir haben hier eher das Gefühl, in einem Safaripark zu sein.“
Meine persönliche Einschätzung: Diese Kritik ist berechtigt, und man sollte sie vor der Buchung kennen, statt sie danach zu entdecken. Okonjima ist eingezäunt, die Tiere tragen Sender, ein Teil von ihnen wurde von Hand aufgezogen und wird nie ausgewildert. Wer die Unberechenbarkeit eines echten Nationalparks sucht, wird hier enttäuscht, denn die Frage ist nicht ob, sondern wann man das Tier findet. Trotzdem halte ich den Stopp für sinnvoll, nur aus einem anderen Grund als dem, mit dem er meist beworben wird. Einen Geparden im Etosha zu sehen, ist Glückssache und meist auf 200 Meter Distanz. Hier steht man zu Fuß in seiner Nähe und versteht körperlich, wie schmal und leicht dieses Tier gebaut ist. Das ist kein Safari-Erlebnis, sondern ein Lern-Erlebnis, und als solches ist es sein Geld wert. Wer beides erwartet, sollte Okonjima vor Etosha einplanen, nicht danach.

Okonjima oder Etosha für Raubkatzen?

Die Frage stellt sich fast jeder, der beide auf der Route hat. Sie schließen sich nicht aus, liefern aber sehr Unterschiedliches.

Kriterium Okonjima Etosha
Chance auf Geparden sehr hoch, planbar gering, Glückssache
Entfernung zum Tier wenige Meter, teils zu Fuß meist über 100 Meter
Gefühl von Wildnis eingeschränkt, Zaun und Sender hoch, echte Unberechenbarkeit
Selbst fahren möglich nein, nur geführt ja
Artenvielfalt auf Raubkatzen fokussiert sehr breit

Übernachten im Reservat

  • Okonjima Bush Camp: die einfachere Variante, mitten im Reservat gelegen
  • Okonjima Lodge: komfortabler, mit Blick ins Buschland
  • Campingplatz: für Selbstfahrer mit eigener Ausrüstung die günstigste Lösung
  • Wer im Reservat übernachtet, hat auch morgens und abends außerhalb der geführten Touren Chancen auf Sichtungen, teils direkt von der Terrasse
  • Alle Unterkünfte liegen innerhalb des Zauns, nachts bewegt man sich also nicht mehr frei zwischen den Gebäuden, sondern wird begleitet

Praktische Tipps

  • Anreise: von Windhoek über die B1 nach Norden, die Zufahrt kurz vor Otjiwarongo ist ausgeschildert
  • Buchung: Tracking-Touren vorab reservieren, die Plätze pro Fahrzeug sind begrenzt
  • Zeitpunkt: Morgentouren sind erfolgreicher, weil die Katzen dann aktiver sind und die Hitze noch fehlt
  • Kleidung: eine warme Schicht für den frühen Morgen einpacken, in der Trockenzeit ist es bei Sonnenaufgang empfindlich kalt
  • Route: Okonjima liegt genau zwischen Windhoek und dem Etosha-Nationalpark und eignet sich als Zwischenübernachtung, die die lange Etappe teilt

Wie plane ich Okonjima ein?

Eine Übernachtung mit einer Tracking-Tour am Nachmittag und einer am folgenden Morgen ist die sinnvollste Variante. Wer nur durchfährt, kann auch eine Tagestour buchen, verliert damit aber die beste Tageszeit. Auf der weiteren Route liegt nördlich der Etosha-Nationalpark, südlich führt der Weg zurück nach Windhoek und weiter zur Namib-Wüste mit Sossusvlei und Deadvlei.

Häufig gestellte Fragen

Wie weit ist Okonjima von Windhoek entfernt?

Rund 270 Kilometer nach Norden über die B1, etwa zweieinhalb bis drei Autostunden. Das Reservat liegt kurz vor Otjiwarongo und damit auf halber Strecke zwischen Windhoek und dem Etosha-Nationalpark.

Kann man in Okonjima Geparden zu Fuß begegnen?

Ja. Beim Geparden-Tracking darf man das Fahrzeug verlassen und die letzten Meter zu Fuß gehen. Beim Leoparden-Tracking bleibt man aus Sicherheitsgründen im Wagen.

Ist Okonjima ein echtes Wildreservat oder ein Zoo?

Weder noch. Das Gelände ist rund 200 Quadratkilometer groß und eingezäunt, die Katzen tragen Sender und ein Teil von ihnen wurde von Hand aufgezogen. Es ist ein betreutes Schutzgebiet, kein offener Nationalpark, aber auch kein Gehege.

Wie viele Geparden leben in Namibia?

Namibia beherbergt etwa ein Viertel des weltweiten Bestands. Rund 90 Prozent dieser Tiere leben außerhalb von Schutzgebieten auf Farmland, weshalb der Konflikt mit der Landwirtschaft das zentrale Thema des Gepardenschutzes ist.

Lohnt sich Okonjima zusätzlich zum Etosha-Nationalpark?

Ja, wenn man weiß, was einen erwartet. Im Etosha sieht man Geparden selten und aus großer Entfernung, in Okonjima dafür planbar und aus der Nähe. Sinnvoll ist die Reihenfolge Okonjima zuerst, Etosha danach.